„So habe ich das noch nicht gesehen …“

Der kultursensible Blick der Frühförderung auf Bindung und Interaktion

Thementag der VIFF Baden-Württemberg

Anmeldeschluss: 18.03.2022

am 23.03.2022 in Heidelberg
09 Uhr – 16 Uhr

Pädagogische Hochschule Heidelberg
Kepplerstraße 87, 69120 Heidelberg

jetzt als digitale Veranstaltung.

Informationen zum Thementag

Frühförderung im Kontext der Diversität von sozialen und kulturellen Gegebenheiten (in Familie oder in der Kita) stellt dieFachkräfte in allen Bereichen immer wieder vor Herausforderungen. Bindungs- und Interaktionsfähigkeit wird geprägtdurch das Erleben in diesen Kontexten. 

Wie können wir es besser verstehen und sensibel darauf reagieren zur Förderung der kindlichen Entwicklung und des sozialen Miteinanders? Mithilfe von Beiträgen aus Forschung und Praxiswollen wir dieser Frage nachgehen.

weitere Informationen und Fragen

Für Rückfragen stehen wir gern zur Verfügung: Frau Dr. Cornelia Esther: esther-viff-bw@online.de

Programm am 23.03.2022 in Heidelberg

09 Uhr

Ankommen und Einchecken

09.30 Uhr

Begrüßung und Einführung in den Thementag
Dr. Rieke Oelkers-Ax, Erste Vorsitzende VIFF Baden-Württemberg

09:45 bis
10:45 Uhr

Prof. Dr. Jörn Borke, Hochschule Magdeburg/Stendal

Für wen gilt die Bindungstheorie? Eine Kritik aus kulturvergleichender Sicht

Die Bindungstheorie ist eine der einflussreichsten Theorien der Entwicklungspsychologie und maßgeblich für viele Anwendungsbereiche. Umfangreiche Forschungsergebnisse stützen zudem die Annahmen der Theorie und die daraus entwickelten Methoden zur praktischen Umsetzung. Allerdings mehren sich die Erkenntnisse, dass sich die Inhalte der Bindungstheorie nicht ohne weiteren auf andere kulturelle Kontexte (außerhalb derer, in denen die Grundlagen der Theorie entwickelt wurden) übertragen lassen.

In diesem Vortrag sollen Hintergründe und Befunde der kulturvergleichenden Entwicklungspsychologie dargestellt werden, durch die unterschiedliche Entwicklungspfade beschreibbar werden. Weiterhin werden daraus ableitbare Anwendungsmöglichkeiten im Sinne einer kultursensitiven Arbeit dargestellt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf bindungstheoretischen und bindungsrelevanten Inhalten.

11 Uhr

Elternschaft und Erziehungsvorstellungen in (muslimischen) Migrationsfamilien
Prof.in Dr. Havva Engin, Päd. Hochschule Heidelberg

11:45 Uhr

Vielfalt in der KiTa – Kultursensibilität in der Praxis. Eine Kita berichtet…
Monika Roth, Kindertagesstätte Liegnitzer Weg Sindelfingen

12:30 Uhr

Mittagspause 

13:30 bis
14:45 Uhr

Workshops am Nachmittag

Dr. Ramona Thümmler, Universität Dortmund //  – bereits ausgebucht –

Nebulöser Raum? Kinder mit Fluchterfahrung in der Frühförderung

Ein Großteil der Einrichtungen der Frühförderung begleitet Kinder und Familien mit Fluchterfahrung. Dabei stellen sich verschiedene Herausforderungen angefangen bei Zugang zur Förderung, über Einbindung der Familien bis hin zu, welche Aufgaben tatsächlich in den Bereich der Frühförderung fallen.

Im Workshop werden basierend auf Ergebnissen aus der deutschlandweiten Fragebogen- und Interviewstudie an Frühförderstellen zum Thema Kinder mit Fluchterfahrung Aspekte der gelingenden Begleitung sowie herausfordernde Aspekte thematisiert. Fokus dabei ist Entwicklungsgefährdungen zu verhindern sowie die Frage, wie mit Familien mit Fluchterfahrung gelingend und sensibel zusammengearbeitet werden kann.

Hala Fouad-Sindlinger, Pro Familia Pforzheim

„Gemeinsam oder einzeln?“ Sichtweisen in der südländischen Kultur

Die Kultur bietet ein Orientierungssystem, das für eine bestimmte Gesellschaft oder Gruppe prägend ist.

Jeder Mensch besitzt seine eigene individuelle kulturelle Prägung mit den dazugehörigen eigenen Haltungen, Normen, Überzeugungen und Werten.

Diese Elemente helfen die anderen bestimmte Verhaltensweisen zu verstehen . Im mittleren Osten/in der südländischen Kultur ist die Zustimmung der Familienangehörigen über die Behandlung des kranken Kindes wichtig. Die Entscheidung ist nicht nur bei den Sorgeberechtigten, es ist möglich, dass die Entscheidung des Stammes  (der großen Familie) über dem Willen der Eltern steht.

In diesem Workshop lernen wir einige Schritte, wie man der Familie die Wichtigkeit der Früherkennung einer Erkrankung erklären kann , außerdem wie man interkulturelle Konflikte vermeiden kann und zuletzt wie die Eltern in ihrer Rolle für das Kind gestärkt werden können.

Brigitte Degitz, ZEL–Zentrum für Entwicklung und Lernen

Frühförderung in der Kita – Mikrotransitionen als Lern- und Entwicklungschance

Ob ein Kind in der Lage ist, sich emotional auf eine Förder- oder Therapieeinheit einzulassen, hängt maßgeblich davon ab, ob und wie es Übergangssituationen bewältigen kann.

Bei diesen Mikrotransitionen (Gutknecht 2015) muss das Kind seine Aktivität im Gruppenraum unterbrechen, sich von seiner Bezugserzieher*in verabschieden und den Raum wechseln. Eine bewusste Gestaltung dieser Übergänge aus dem Kita-Alltag in die Förder- oder Therapie-Einheit unterstützt das Kind in seiner emotionalen Regulation und eröffnet Lern- und Entwicklungschancen.

Im Workshop werden Methoden zur Analyse, Planung und Gestaltung von Übergängen aus dem Gruppenalltag in die Förderung und Therapie vorgestellt.

Sibylle Janert, MindBuilders // – bereits ausgebucht –

Autismus beziehungsorientiert behandeln – Einführung in den DIRFloortime Ansatz

Der DIRFloortime PLAY-Ansatz findet in der Autismusförderung als Alternative zu den gängigen behavioristischen Methoden bei ansteigenden Autismusdiagnosen im deutschsprachigen Raum zunehmend Interesse und Anwendung.

Während traditionelle Autismusansätze ihren Schwerpunkt meist auf die autistischen Auffälligkeiten des Kindes legten, verlagert der beziehungsorientierte Entwicklungsansatz des Floortime Modells die Aufmerksamkeit auf die zugrundeliegenden mentalen Mechanismen des Kindes im Beziehungsgeflecht seiner Familie. Die von Dr. Stanley Greenspan beschriebenen 6 grundlegenden Entwicklungsebenen verhelfen zu einem differenzierteren Verständnis von Kindern mit autistischen Zügen sowie anderen frühen Entwicklungsstörungen im Bereich der Bindung und Regulation.

Zusammen mit der Identifizierung des individuellen sensomotorischen Profils des Kindes wird ein therapeutischer Handlungsansatz entwickelt, um alltägliche Kommunikationssituationen in Familie und Schule spielerisch und therapeutisch zu nutzen. „Ob wir auf der richtigen Entwicklungsebene spielen, wissen wir dann, wenn alle Beteiligten wirklich Spaß miteinander haben.“, sagt Dr. Solomon, Begründer des Floortime PLAY-Ansatzes „Play and Language for Autistic Youngsters“.

In diesem Workshop werden die folgenden Inhalte des DIRFloortimeansatzes vermittelt:

  • die ersten 6 funktionalen emotionalen Entwicklungsebenen und –kapazitäten
  • Bedeutung des individuellen sensomotorischen Profils eines Kindes
  • Einbeziehung familiendynamischer Komponenten
  • Eine neue Sichtweise von Autismus als eine frühkindliche Entwicklungsstörung mit einer potentiell positiven und hoffnungsvollen Prognose 
Literatur: Janert: Autistischen Kindern Brücken bauen, Reinhardt Verlag 2020Janert et al.: Autistismus beziehungsorientiert behandeln, Reinhardt Verlag 2021

Valentina Schenk, Kindergarten Pusteblume

Ein Kindergarten für alle Kinder – kultursensibles Arbeiten in der Intensivkooperation

Die Kindergärten Pusteblume Lebenshilfe Heidelberg ein Kindergarten mit Intensivkooperation „Schulkindergarten und KiTa unter einem Dach“. 

Zunächst werde ich die Begriffe Schulkindergarten und Intensivkooperation erläutern. Mit der Grundhaltung: „Wir wollen gemeinsam freudig wachsen und uns entfalten, so verschieden wir auch sind“ begegnen wir in unseren Kindergärten der Individualität der Kinder und ihrer sozialen und kulturellen Diversität.

An Hand konkreter Alltagsbeispiele nähern wir uns im Workshop den Themen inklusive Haltung, kultursensiblen Arbeiten und was dies mit den Beziehungen zwischen den handelnden Personen macht.

14:45 – 15 Uhr

Pause 

15 – 16 Uhr

Podium: Vielfalt – Bindung – Kultur: Akteur:innen im Gespräch
Jörn Borke, Hala Fouad-Sindlinger, Monika Roth, Valentina Schenk, Sadiye Altay
Moderation: Dipl.-Psych. Sabine Jurgan, Dr. Rieke Oelkers-Ax

16 Uhr

Ende der Veranstaltung 

Kosten:
30 € für Mitglieder der VIFF
60 € für Nichtmitglieder
20 € für Studierende
10 € für Studierende Mitglieder der VIFF